45 Jahre Werbeselbstkontrolle

Was hat sich in Sachen Werbeselbstdisziplin in Deutschland geändert, seit der Werberat im November 1972 an den Start ging? In Punkten:

  • Ordnungssystem: Der Werberat hat Arbeitsgrundsätze entwickelt und sich eine Verfahrensordnung gegeben. Um schnell bei Beschwerden reagieren zu können, diskutiert und entscheidet das Gremium über einen geschlossenen Chatroom.
  • Verhaltensregeln: Neben Grundregeln zur kommerziellen Kommunikation wurden Werberegeln für spezielle Bereiche geschaffen (z.B. Diskriminierung / Kinder / Lebensmittel / Alkoholhaltige Getränke / Glücksspiele).
  • Beschwerdeführer: Keine Veränderung zu beobachten. Nach wie vor kommen Proteste gegen einzelne Werbeaktivitäten von privaten Bürgern, aus dem institutionellen Bereich wie Gleichstellungsstellen oder von Vertretern der Behörden, politischer Parteien, Kirchen, Gewerkschaften und anderen Institutionen der Gesellschaft.
  • Menge der Proteste: Die Protestmenge ist nach wie vor kein verlässlicher Maßstab für die Beschwerdeintensität der Bevölkerung. Sie hängt insbesondere davon ab, ob die Kritik eine bundesweit in Massenmedien geschaltet Werbung betrifft oder ob sie regional / lokal auftauchte und damit weniger Menschen erreichte.
  • Betroffene Werbeaktivitäten: In den ersten drei Jahrzehnten schwankte die Anzahl der von Kritik betroffenen Werbekampagnen erheblich - teilweise auch deshalb, weil das Beschwerdesystem des Werberats gezielt von außen getestet wurde. Seit dem Jahr 2000 ist die Zahl der Proteste stetig gestiegen. Erstmals in der 45-jährigen Geschichte des Werberats prüfte die Organisation im Jahr 2016 mehr als 700 Werbemaßnahmen innerhalb eines Jahres.
  • Motive für Beschwerden: Bedeutende Verschiebungen gab es während der vier Jahrzehnten kaum. In den Siebzigern stand der Vorwurf der Irreführung und der Werbung mit der Angst stärker im Mittelpunkt der Gründe für Beschwerden aus der Bevölkerung. Unterdessen liegt der Akzent stärker auf 'Political Correctness' wie Diskriminierung, Sprache und Gewalt.
  • Beschwerdekompetenz: In den vergangenen 45 Jahren der Werbeselbstkontrolle haben die Beschwerdeführer bei einem guten Drittel der von Kritik betroffenen Kampagnen (32 Prozent) deren Korrektur oder Einstellung erreicht; das unterstreicht ihre Beschwerdekompetenz. (Fälle vor dem Werberat gesamt: 9.598 / davon beanstandet:  3.214 einschließlich 178 Öffentliche Rügen).
  • Autorität des Werberats: Der Werberat setzt sich in der Regel unmittelbar mit seinen Beanstandungen bei den betroffenen Unternehmen durch (45 Jahre - Schnitt: 94 Prozent). Lediglich in 6 Prozent musste das Gremium die öffentliche Debatte durch eine Rüge veranlassen. Effekt: Solche Firmen werden in der Regel werbekritisch nicht mehr auffällig.
  • Zuständigkeit: Der Arbeitsbereich des Werberats hat sich in 45 Jahren zwei Mal erweitert - durch die Entwicklung des privaten Fernsehens in den Achtzigern und dem Aufstieg des Internet in den Neunzigern. Heute fallen sämtliche Formen kommerzieller Kommunikation in die Zuständigkeit der Selbstkontrolleinrichtung.
  • Akzeptanz der Gesellschaft: Persönlichkeiten insbesondere aus Politik, Wirtschaft, Medien, Wissenschaft und Institutionen der Gesellschaft haben bei allen, in 45 Jahren immer wieder durchgeführten Befragungen eine äußerst bestätigende Position zur Arbeit des Werberats vertreten. Anlässlich des 40-jährigen Bestehens erreichten die Selbstkontrolleinrichtung 70 Stellungnahmen von außen über die Werbeselbstdisziplin.