Beschwerdefälle aus 40 Jahren Werberat

Die Daten über das Konfliktmanagement des Deutschen Werberats in den vier Jahrzehnten seiner bisherigen Tätigkeit spiegeln den Wert der Werbeselbstdisziplin wider: Bearbeitete Proteste: 17.931; Werbeaktivitäten vor dem Werberat: 7.746; Beanstandungen des Gremiums: 2.709 Werbekampagnen - davon Öffentliche Rügen: 114 (4 Prozent); ad-hoc-Durchsetzungsquote des Gremiums, also unmittelbar vom Werberat beanstandete Werbeaktivität eingestellt / abgeändert: 96 Prozent.

Aus der Beschwerdemenge lässt sich einiges ablesen. So nutzt die Bevölkerung in Deutschland diese Institution als Korrektiv. Mehr noch - in 43 Prozent aller zu entscheidenden Vorgänge setzten sich die Beschwerdeführer durch; sie wirken damit als wesentlicher Teil der freiwilligen Reinigungskraft der Werbebranche. Ein gutes (hohes) Drittel Werbekorrektur bescheinigt den Bürgern gleichzeitig ihre Kompetenz als Werbekritiker.

Ebenso bemerkenswert die herausragende Autorität des Werberats. Das Gremium setzt sich fast immer mit seinen Beanstandungen bei den betroffenen Unternehmen durch. Das ist keineswegs selbstverständlich: Es handelt sich bei den meisten Streitfällen um rechtlich einwandfreie Werbung, worauf die Firmen pochen könnten, aber aus werbeselbstdisziplinärer Räson darauf verzichten. Selbst die 4 Prozent Öffentlicher Rügen haben einen meist positiven Effekt: Die derart in öffentliche Debatte gezogenen Firmen werden in der Regel danach nicht mehr werbekritisch auffällig.

Die 80 kurz skizzierten Einzelfälle kritisierter Werbemaßnahmen von Unternehmen haben häufig Mustercharakter. Die inhaltlichen Verschiebungen sind kaum auszumachen - vierzig Jahre sind trotz aller äußeren Umwälzungen in dieser Zeitspanne kaum mehr als ein Wimpernschlag in der gesellschaftlichen Entwicklung: Menschen ändern sich nur allmählich über größere Zeiträume hinweg.

Feststellbar aber: Standen am Anfang des Werberats noch der Vorwurf der Irreführung und der Werbung mit der Angst stärker im Vordergrund, lag der Akzent später auf 'Political Correctness' in Sachen wie Diskriminierung, Sprache und Gewalt.