Geschlechterdiskriminierung in der Werbung - Werberat beteiligt sich an öffentlicher Debatte

Geschlechterdiskriminierung in der Werbung - Werberat beteiligt sich an öffentlicher Debatte

BERLIN, 2. September 2013 (dw) - Die Geschäftsführerin des Deutschen Werberats Julia Busse hat am 2. September 2013 im Rahmen einer Podiumsdiskussion der Kampagnenorganisation Pinkstinks Deutschland in Berlin eine Online-Petition des Vereins „Gegen sexuelle Verfügbarkeit in der Außenwerbung: Kinderschutz jetzt!“ entgegengenommen. Die Rechtsanwältin betonte in diesem Zusammenhang: „Der intensive Dialog darüber, was für die Gesellschaft sexistische Werbung ist und was nicht, ist dem Werberat überaus wichtig. Auch beim Austausch der Meinungen dazu gilt: Vielfalt ist schön. Doch einseitige Interpretationen und das Ausblenden von vielleicht unerwünschten Fakten helfen nicht weiter.“

Kinder- und Jugendschutz haben seit Jahrzehnten einen ganz besonders hohen Stellenwert in der Arbeit des Werberats. Gerade bei Werbeaktivitäten im öffentlichen Raum werden in den Einzelbewertungen des Werberats immer auch die Belange von Kindern und Jugendlichen einbezogen. Jede Werbung nur aus Kindersicht zu beurteilen, würde der Verpflichtung des Werberats zu einer ausgewogenen Abwägung zuwider laufen. Für ihn gilt ein „Balance-Gebot“. Bei seinen Entscheidungen muss der Werberat ganz unterschiedliche Interessen abwägen. Dabei wird die Sichtweise keiner Gruppe ausgeklammert, auch nicht die Sicht derjenigen, die mit der Werbung angesprochen werden sollen.

Die Werbebranche verschließt nicht die Augen: Werbemaßnahmen können gegen die eigene Standesauffassung verstoßen, auch wenn sie rechtlich korrekt sind. Aus diesem Grund haben die im ZAW Zentralverband der deutschen Werbewirtschaft zusammengeschlossenen Organisationen der werbetreibenden Wirtschaft, Agenturen und Medien bereits 1972 den Deutschen Werberat gegründet. Dr. Hans-Henning Wiegmann, Vorsitzender der Selbstkontrolleinrichtung, erinnerte daran: „Der Werberat trägt seit mehr als 40 Jahren dazu bei, von der Gesellschaft nicht akzeptierte Werbung zu vermeiden oder nach ihrem Erscheinen eigenverantwortlich zu korrigieren. Das gelingt mit großer Sachkenntnis, Sensibilität und Anerkennung durch Politik und Öffentlichkeit.“

Die im Bundestag vertretenen Parteien sehen deshalb auch keinen Anlass für Werbeverbote von geschlechterdiskriminierender Werbung. Sie betonen, dass das System aus umfangreicher gesetzlicher Werberegulierung und Selbstkontrolle der Werbebranche funktioniert. Das geht aus den Antworten zu Wahlprüfsteinen von Pinkstinks Deutschland im Sommer 2013 hervor.

 

Hinweis

Die Angaben hinsichtlich der Gestaltung der jeweiligen Werbemaßnahme sowie des verantwortlichen Unternehmens beziehen sich auf den für das Beschwerdeverfahren maßgeblichen Zeitpunkt der öffentlichen Rüge. Die aktuelle Gestaltung der Werbemaßnahme und das heute hierfür verantwortlich zeichnende Unternehmen können daher von den damaligen Gegebenheiten abweichen.