Wegen sexistischer und gewaltbagatellisierender Werbung - Werberat rügt 6 Unternehmen

Wegen sexistischer und gewaltbagatellisierender Werbung - Werberat rügt 6 Unternehmen

BERLIN, 16. Februar 2016 (dwr) – Die Selbstkontrolleinrichtung der deutschen Werbewirtschaft hat sechs uneinsichtige Firmen wegen ihrer Werbung gerügt, nachdem sie trotz Beanstandung des Deutschen Werberats ihre Werbung nicht absetzen oder korrigieren wollten.

Das Modegeschäft delikat fashion and shoes im Allee-Center Magdeburg stellt von den sechs Fällen den Besorgnis erregendsten dar: Das Geschäft warb in einer Anzeige mit dem Bild einer auf einem Tisch drapierten nackten Frau, die von vermutlich mehreren Männern umringt ist. Zusammen mit dem Slogan „Fuck your Face“ beurteilte der Werberat die Darstellung als sexistisch und Gewalt gegenüber Frauen verharmlosend.

Auch die Anzeigen- und Internetwerbung der Firma MessKing aus dem bayerischen Schonungen wurde wegen des Verstoßes gegen die Branchenkodizes öffentlich gerügt. Die Bewerbung von Messgeräten etc. mit dem Slogan „Noch Budget? Dann zugreifen…“ in Kombination mit der Abbildung einer Frau, die ihren Weihnachtsmantel öffne und in Reizwäsche dastehe, weise keinen Produktbezug auf, reduziere Frauen auf ihre Sexualität und lege ihre Verfügbarkeit nahe (Verstoß gegen die „Verhaltensregeln des Deutschen Werberats gegen Herabwürdigung und Diskriminierung von Personen“, Ziffer 5): Der Position des Unternehmens, es handele sich zwar um eine provozierende, nicht aber sexistische Werbung, konnte sich der Werberat nicht anschließen.

Vom Werberat gerügt wurde auch für die Plakatwerbung der Jütten & Koolen Automobile GmbH aus Waldfeucht (Nordrhein-Westfalen). Das Motiv einer liegenden Frau in Dessous, vor der ein Miniaturwagen in Höhe des nackten Gesäßes platziert ist, reduziere Frauen auf ihre Sexualität und verstoße gegen die Diskriminierungsregeln des Werberats (Ziffer 5). Der Slogan „Scharfe Kurven…von meinem EU-Neuwagen“ verstärke den sexistischen Charakter der Werbeaussage. Ein zuvor von dem Unternehmen veröffentlichtes Motiv mit ähnlicher Gestaltung und identischem Slogan – ein kleinerer Miniaturwagen auf dem Gesäß der Frau - war vom Werberat ebenfalls beanstandet und vom Unternehmen im Lauf des Verfahrens gegen das Motiv mit dem Miniaturwagen vor der Frau platziert ausgetauscht worden. Die Motiv-Änderung stufte das Selbstkontrollgremium allerdings als nicht ausreichend ein.

Auch der Werbeaufsteller der City Paintball Hamburg, der mit einer in Dessous und High Heels bekleideten Frau warb, löste Kritik aus: Abbildung und Slogan „Bock auf Ballern“ wurden vom Werberat als sexistisch und gewaltverharmlosend eingestuft. Das Rollup suggeriere, man könne aus Spaß beim Paintball auf Personen ohne Schutzkleidung, in dem Fall auf eine leicht bekleidete Frau, schießen. Zudem werde die abgebildete Frau als reiner Blickfang benutzt und damit auf ihren Körper reduziert. Zunächst hatte das Unternehmen dem Werberat angekündigt, das beanstandete Motiv zu entfernen. Da sich diese Zusage aber nur auf einen bestimmten Ort bezog und nicht für alle Standorte galt, an denen das Unternehmen warb, verhängte der Werberat die Öffentliche Rüge.

Als sexistisch rügte der Deutsche Werberat auch die Plakatwerbung der Fahrzeugreparaturwerkstatt Schöpp aus Emstek (Niedersachsen). Die Abbildung einer Frau in knappen Jeans-Shorts von hinten reduziere diese auf ihre Sexualität; dies insbesondere weil die Abbildung weder Kopf noch Füße zeige, sondern das Gesäß der abgebildeten Frau in den Fokus stelle. Den Einwand des werbenden Unternehmens, hier würde eine Fahrzeugreparatur dargestellt, ließ der Deutsche Werberat nicht gelten: die aufreizende Darstellung diene allein als Blickfang.

Auch das Unternehmen Brunner Haustechnik aus Massing im Rottal (Bayern) würdigte Frauen durch ihre Außenwerbung herab. Neben der beworbenen Heizungsanlage wurde eine Frau in Unterwäsche abgebildet und mit dem Slogan versehen: „Beides heiße Geräte… eine geht mit Ihnen shoppen… eine spart Geld und ist effizient“. Der Werberat rügte dieses Werbeplakat als sexistisch und Frauen diskriminierend.

„Wenn wir pro Jahr auch mehrere Öffentliche Rügen aussprechen müssen, zeigt dies dennoch bei rund 3,3 Millionen werbenden Unternehmen in Deutschland, dass nur eine verschwindend kleine Minderheit Grenzüberschreitungen begeht und sich nicht an die freiwilligen Regeln der Werbewirtschaft hält“, so Julia Busse, Geschäftsführerin des Deutschen Werberats.

Einzelheiten zur Bilanz des vergangenen Jahres veröffentlicht die Selbstkontrolleinrichtung am 10. März 2016. Dann erscheint auch das neu gestaltete Jahrbuch „Deutscher Werberat 2016“.

 

Hinweis:

Die Angaben hinsichtlich der Gestaltung der jeweiligen Werbemaßnahme sowie des verantwortlichen Unternehmens beziehen sich auf den für das Beschwerdeverfahren maßgeblichen Zeitpunkt. Die aktuelle Gestaltung der Werbemaßnahme und das heute hierfür verantwortlich zeichnende Unternehmen können daher von den damaligen Gegebenheiten abweichen.