Frauendiskriminierung und Verstoß gegen den Alkoholwerbekodex - Vier Öffentliche Rügen vom Werberat

Frauendiskriminierung und Verstoß gegen den Alkoholwerbekodex - Vier Öffentliche Rügen vom Werberat

BERLIN, 16. Mai 2019 (dwr) – Der Deutsche Werberat, Selbstkontrolleinrichtung der im Spitzenverband der Werbewirtschaft ZAW zusammengeschlossenen 45 Organisationen der Branche, hat vier Unternehmen wegen ihrer Werbung öffentlich gerügt.

  • Der Vorwurf der pietätlosen und sexistischen Werbung traf das Bestattungsunternehmen Häusler aus dem bayerischen Neumarkt-Holzheim. Der Werberat stimmte den Beschwerdeführern zu, die die Werbung mit der Abbildung eines tief dekolletierten weiblichen Models im Bunny-Kostüm zur Bebilderung einer Stellenanzeige für eine Reinigungskraft als sexistisch kritisiert hatten. Das Bestattungsunternehmen steht zu der Anzeige, weil sie die Betrachter zum Lachen bringe. Dieser Ansicht schloss sich das Gremium nicht an und sah die Grenzen zur herabwürdigenden Werbung überschritten.
     
  • Auch das Unternehmen Einhorn Werke aus Heidesee (Brandenburg) wurde vom Werberat wegen frauenherabwürdigender Werbung öffentlich gerügt. Die Online-Werbung erwecke den Eindruck, die Frau sei wie die Wand „schmückendes Beiwerk“, wodurch sie zum Objekt degradiert werde, so das Gremium in seiner Entscheidung. Zwar handele es sich um eine ästhetische Darstellung, dies ändere jedoch nichts daran, dass die abgebildete Frau in erster Linie als reiner Blickfang diene und ein Produktbezug nur sehr künstlich herstellbar sei. Der Werbetext „Faszination Wandgestaltung“ sei zwar bis zu einem gewissen Grad nachvollziehbar umgesetzt. Insgesamt überwiege dennoch negativ, dass eine nackte Frau derartig in Szene gesetzt wird, um das Angebot zu bewerben.
     
  • Ebenfalls als sexistisch beanstandet wurde die Werbung der ASR GmbH & Co.KG, einem Unternehmen für Autoteile aus Coswig (Sachsen-Anhalt). Das Plakat, angebracht am Sitz des Unternehmens, zeigt ausschnittsweise die Rückseite einer Frau in leicht nach vorn gebückter Haltung mit knappen Shorts. „Wir haben bestimmt auch ihren Typ.“, lautet der danebenstehende Slogan. Werbungen wie diese reduzieren Frauen nach Meinung des Werberats auf ihre Sexualität und sind daher herabwürdigend (Verstoß gegen Ziffer 5 der Verhaltensregeln des Deutschen Werberats gegen Herabwürdigung und Diskriminierung von Personen). Das Unternehmen hatte sich im Lauf des Beschwerdeverfahrens zwar dazu bereit erklärt, das Motiv von der unternehmenseigenen Internetseite zu entfernen. Am großflächigen Plakat wollten die Geschäftsführerinnen jedoch festhalten. Gezeigt werde schließlich „ein Fahrgestell“.
     
  • Das Hofbräuhaus Traunstein wurde erneut vom Deutschen Werberat gerügt. Anders als 2017 wurde die Beanstandung nicht wegen einer sexistischen Werbung ausgesprochen. Die Brauerei war diesmal nicht bereit, die gemeinsam mit der gesamten Alkoholbranche aufgestellten Verhaltensregeln für eine verantwortungsvolle Alkoholwerbung einzuhalten. Aus Sicht des Werberats lässt die vom Hofbräuhaus Traunstein eingesetzte Werbeaussage „Hilft in Sekunden – wirkt für Stunden“ im Zusammenhang mit der Abbildung eines sich umarmenden Paars beim Betrachter den Eindruck entstehen, dass sich der Konsum des Biers positiv auf das Verhältnis zwischen Mann und Frau auswirkt. In ihrer Stellungnahme hatte die Brauerei bestätigt, dass diese Wirkungsaussage in der Werbung beabsichtigt sei.

„Hier geht es nicht darum, den ‚Einzelmeinungen scheinheiliger Moralisten zuzustimmen‘, wie dem Werberat von der Brauerei vorgeworfen wurde“, so eine Sprecherin der Selbstkontrolleinrichtung. „Alkoholkonsum darf in der Werbung weder als Problemlöser, noch als Schlüssel für Glücksmomente angepriesen werden.“, so die Sprecherin weiter. Auf diesen Grundsatz hätten sich Händler, Hersteller und Importeure alkoholhaltiger Getränke in Zusammenarbeit mit dem Zentralverband der deutschen Werbewirtschaft ZAW gemeinsam verständigt. Die Beachtung dieser Regel sei Ausdruck eines verantwortungsbewussten Marktverhaltens und ein gesamthaftes Anliegen der Branche.

Hinweis
Die Angaben hinsichtlich der Gestaltung der jeweiligen Werbemaßnahme sowie des verantwortlichen Unternehmens beziehen sich auf den für das Beschwerdeverfahren maßgeblichen Zeitpunkt. Die aktuelle Gestaltung der Werbemaßnahme und das heute hierfür verantwortlich zeichnende Unternehmen können daher von den damaligen Gegebenheiten abweichen.