Halbjahresbilanz 2016

1.545 Beschwerden gingen in den ersten sechs Monaten beim Deutschen Werberat in Berlin ein. Davon entfielen allein rund 1.000 Proteste auf das Online-Werbevideo von Wiesenhof, das der Werberat beanstandet hatte. Insgesamt prüfte die Selbstkontrolleinrichtung 365 Werbemaßnahmen und rügte 15 Unternehmen öffentlich, so die wichtigsten Kennzahlen der Halbjahresbilanz 2016.

142 Fälle fielen nicht in die Zuständigkeit des Gremiums, weil sich die
Beschwerden beispielsweise gegen mögliche Rechtsverstöße richteten oder weil es sich nicht um Wirtschaftswerbung handelte. Auffällig waren in diesem Zusammenhang die zahlreichen Beschwerden gegen die aktuelle Aufklärungskampagne der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung BZgA zum Thema „Liebesleben“.

Julia Busse, Geschäftsführerin des Deutschen Werberats, kommentiert die Daten der Halbjahresbilanz: „Der Werberat hat in den ersten sechs Monaten des Jahres 15 Öffentliche Rügen ausgesprochen und damit deutlich mehr als in 2015 mit 7 zu diesem Zeitpunkt. Bei über 3 Millionen werbenden Unternehmen ist die Zahl der Rügen dennoch äußerst gering. Für die übergroße Mehrheit der Unternehmen sind die Verhaltensregeln des Werberats und seine Spruchpraxis die zentrale Richtschnur. Die Rügen wiederum bleiben eine Ausnahme und gehen an die zunächst Uneinsichtigen, die sich mit ihrer Werbung außerhalb der Branchenethik bewegen.“

Hier einige Fallbeispiele aus dem 1. Halbjahr 2016:

  • Eine Lebensmittel-Einzelhandelskette warb zu Beginn des Jahres 2016 im Stil der 50er Jahre. Das entsprechende Frauenbild aus der Zeit, spiegelte sich in Slogans wie „Lieblich wie der Wein sollte auch die Gattin sein“ und führte zu Beschwerden beim Werberat mit der Kritik, die Werbung sei frauendiskriminierend. Der Werberat lehnte die Be­schwerden ab, verwies auf den 50er Jahre-Zusammenhang und da­rauf, dass klischeehaftes, offensichtlich übertriebenes Abbilden von veralteten Rollbildern helfen kann, auch aktuell bestehende Stereo­type aufzubrechen.
     
  • Auch verschieden Beschwerden zu weiblichen Models in Unterwäsche, die auf Plakaten oder in Prospekten geschaltet waren, wies der Wer­berat zurück.
     
  • Die kokett abgebildete Stewardess des Web-Check-In-Portals einer Fluglinie, die Tipps für den Check-In lieferte, befand der Werberat ebenfalls nicht als sexistisch.
     
  • Anders der Fall einer Außenwerbung: Ein großes Banner, angebracht am Firmensitz eines Unternehmens für technische Produkte, zeigte das Gesäß einer Frau im Bikini mit dem Slogan „Werden auch Sie unser Fan“. Nach Kontaktaufnahme des Werberats mit dem Unternehmen entschuldigte sich dieses und sagte zu, das Banner zeitnah abzunehmen und zu ersetzen.
     
  • Auch in einem weiteren Fall änderte ein Dienstleister seine Fahr­zeugwerbung, die ein nacktes Frauengesäß im String zeigte: Nachdem der Werberat das Unternehmen kontaktiert hatte, überklebte es das Motiv.
     
  • Die Beschwerde zur Plakatwerbung mit dem Slogan „Niemand muss Döner essen“ wiederum lehnte der Werberat ab und sah keinen fremdenfeindlichen Kontext vorliegen. Der abgebildete Teller mit Schnitzel, Pommes Frites und Salat und den verschiedenen Werbetexten „Niemand muss Sushi/Döner/Pizza etc. essen“ würdige andere Esskulturen nicht herab, sondern offeriere in einem stark umkämpften Marktsegment eine Essens-Alternative.